1970 – 1990

m Rahmen der Leistungsbewertung konnte unsere Wehr im Jahre 1969  die bronzene Leistungsplakette, 1970 die Wiederholung derselben und 1971 die silberne Leistungsplakette erringen.
Das 2te Halbjahr 1970 stand dann im Zeichen von Hilfeleistungen nach Herbststürmen. Die Dorfstr. in Höhe der Schlachterei Kunstmann, (heute Bäckerei) neuralgischer Punkt seit langem, war innerhalb weniger Tage so stark überflutet, dass jedesmal ein längerer Einsatz der Wehr erforderlich wurde. Am 10ten November brannte im Kiemoorweg ein Kraftrad aus.
Das Jahr 1971 wird allen Bewohnern der näheren nördlichen Umgebung Hamburgs als das Jahr des Flugzeugabsturz bei Hasloh auf der BAB in Erinnerung sein. Katastophen dieser Art gab es nach dem Krieg in unserer Gegend wohl nur noch eine vergleichbare: die Flutkatastrophe 1962. Das Chaterflugzeug der PanInternational, mit Urlaubern vollbesetzt stürtzte am Nachmittag des 6.September auf die A7. Es gab 22 Tote und viele Schwerverletzte. Auch einige unserer Kameraden waren mit unserem Löschfahrzeug zur Hilfeleistung eingesetzt.
Aber auch in Tangstedt selbst war dieses Jahr für uns alles andere als “ruhig”. Am 20.März Busch- bzw. Knickbrand bei Kurt Timm, am 4. Mai dasselbe bei Hans Lienau und am 31. Mai nochmals im Jacob-Behrman-Weg. Am 21.Juni Großfeuer auf dem Heidehof. Das Pinneberger Tageblatt meldet am selben Tag:”Großfeuer in Tangstedt brachte Familie um ihren ganzen Besitz – Polizei schließt Brandstiftung nicht aus – 400.000 DM Schaden.” So steht’s in der Zeitung. Und was steckt dahinter? Unermeßliches Leid für die betroffenen Familien. Verlust persönlicher Habe. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.
Gegen 4 Uhr morgens schlugen aus den Stallungen die ersten Flammen. Dann ging alles so schnell, dass Besitzer Klaus Köther nicht einmal ans Telefon eilen konnte. Nur mit dem, was sie auf dem Leibe trugen, rettete er seine drei Kinder , seine Frau und sich selbst aus der Flammenhölle. Wegen der späten Alarmierung konnte die Tangstedter Feuerwehr erst 15 Minuten nach Entdeckung des Feuers an der Brandstelle erscheinen. Immerhin, zwei Stunden später war das Feuer gelöscht.
Am 4. September 1971 konnte das neue Feuerwehrgerätehaus in der Hesterhörn in Betrieb genommen werden. Es bot ausreichend Platz für die Fahrzeuge und Geräte, darüber hinaus stand ein Schulungsraum zur Verfügung und im Nebentrakt war die Gemeindebücherei untergebracht.
Im ersten Halbjahr 1972 waren 4 Brände zu registrieren. Zwei Flächenbrände am 18.März, ein Zimmerbrand am 4.Mai und am 30.Mai ein Fahrzeugbrand bei der Wulfsmühle. Im November wurden wir zu einer Überflutung der Grünen Twiete gerufen.
Das Jahr 1973 begann mit der Widerwahl des 1967 gewählten Wehrführers, Gerd Koltzk, der nun für weitere sechs Jahre die Geschicke der Tangstedter Wehr leiten sollte. Ansonsten stand auch dieses Jahr wieder im Zeichen eines Großbrandes mit hohem Sachschaden. Am 17. Juni gab es das erste Mal “Heualarm” beim Bauern Kurt Timm. Fast acht Sunden hatten wir alle Hände voll zu tun, ein Feuer zu verhindern. Auch die Heuwehr vom KFV Pinneberg wurde eingesetzt. Dann wurde ein großer Teil des eingelagerten Heus in schweißtreibender Handarbeit abgetragen. Erst kurz vor Mitternacht konnte die Wehr abrücken.
Eineinhalb Monate später (31.07.1973) riefen uns die Sirenen vom Bildschirm weg. Um 20.45 Uhr wurde Feueralarm gegeben. Die gleiche Scheune, die kurz vorher vor dem Feuer geschützt werden konnte, brannte im vollem Umfang. Viel war nicht zu retten, und ein Trecker und andere landwirtschaftliche Geräte wurden Raub der Flammen. Das Hauptgebäude jedoch, besonders gefährdet durch sein Reetdach, konnte vor Schäden gerettet werden. Auch bei diesem Alarm bewährte sich die Nachbarschaftshilfe: Die Rellinger Wehr war schnell zur Stelle und half, vor allem mit ihrem Tanklöschfahrzeug beim ersten Angriff. Erst gegen 3.30 Uh morgens hieß es: “Wasser halt!”
Zwei bemerkenswerte Brände sind im Jahr 1974 zu verzeichnen: Am Nachmittag des 16. August wurden wir zu einem Flächenbrand an der Verbindungsstraße nach Hasloh gerufen. Besonders tragisch dabei war der Tod des Altbauern Groth, der vermutlich beim Versuch, das Feuer aus eigener Kraft unter Kontrolle zu bringen, an Herzversagen starb.
Zu dem anderen Feuer wurden wir am 11. September um 9.20 Uhr gerufen. Der ehemalige Heckerhof brannte. Auch hier wurde Brandstiftung vermutet.
Wie schon beim Heidehof machte uns auch hier die Wasserversorgung arg zu schaffen. aufgrund des besonders trockenen Wetters führte des nahegelegene Beek fast gar kein Wasser. Nur durch das Eingreifen der Tanklöschfahrzeuge aus Rellingen, Egenbüttel und Hasloh konnten wir di ersten Angriffe vornehmen. Später wurde mit Jauchefässern mühsam vom Löschteich in einen nebenbei gelegenen Keller Wasser  herangeschafft und von dort mit der TS in die Flamme gespritzt.
1974 war wiederum ein Jahr, in dem wir uns mehr auf die Ausbildung konzentrieren konnten. Anfang des Jahres hatten wir einen Flächen- und einen Knickbrand zu verzeichnen. Im Dezember  wurden wir dreimal angefordert: Ein Verkehrsunfall und zwei Überflutungen der Dorfstraße in Höhe der Schlachterei Kunstmann (Heute Backstube) machten einen Einsatz der Wehr erforderlich.
Das Jahr 1975 brachte am 15. Januar einen Dachstuhlbrand im Neubau bei Erich Sellhorn, Große Twiete um am 18. März Brand eines Geräteschuppens im Kiemoorweg (E.-M. Sellhorn), durch Brandstiftung von Kindern verursacht. Zum 50-jährigen Jubiläum der Wehr wurde ein großer Wunsch erfüllt: Die Gemeindevertretung beschloß den Kauf eines LF8/GW Mercedes-Benz mit Heckbeladung der Firma Meißner aus Rendsburg. Mit einem großen Fest wurde am 13.09.1975 as Jubiläum gefeiert. Der Kameradschaftsabend sollte in diesem Jahr erstmals ohne das traditionelle Abendessen stattfinden. Diese Form stieß auf breite Kritik, selbst der Wehrführer blieb fern, so daß es sich wohl um ein eimaliges Experiment handelte.
Das Jahr 1976 begann mit einem Paukenschlag: Andauernder und immer heftiger werdender Sturm ließ die Kameraden zum Bergen eines Baumes und zum schützen eines  Daches ausrücken. Noch während dieser Arbeiten erschollen plötzlich die Sirenen. Man hielt dieses zunächst für einen Schadensfall im Dorf, bis kurz darauf  die Feuerwehr aus Hasloh die Dorfstraße passierte. Diese teilten mit, daß vom Kreis der Katastrophenalarm ausgelöst worden sei, denn in der Haseldorfer Marsch drohte ein Deich zu brechen. Nach kurzer Organisation wurde unser LF8 am Holmer Berg  als Funkstelle eingerichtet. Die TS und das Notstromagregat waren vom 06.01. bis 14.01. ununterbrochen im Einsatz. Insgesamt wurden von den Tangstedter Kameraden 914 Einsatzstunden beim Pumpen und Sandsäcke-Befüllen geleistet.

In diesem Jahr brannte die Scheune von Hermann Kunstmann ab. Ein  Übergreifen der Flammen auf die Benachbarten Reetdachhäuser konnte mit Hilfe der FF Rellingen verhindert werden. Mit Zustimmung der Gemeinde kaufte eine kleine Verhandlungsgruppe von Kameraden ein gebrauchtes Tanklöschfahrzeug TLF16 für 3.000 DM aus der Kameradschaftskasse von der Feuerwehr  in Hamburg. Nun hatten wir endlich ein wasserführendes Fahrzeug, welches die Schlagkraft enorm verbesserte.
Durch das schnelle Eingreifen der Wehr konnte im November 1978 ein Großbrand verhindert werden. Bei Schweißarbeiten war es im Kiemoorweg 21 zu einem Brand im Dachstuhl gekommen. Nach dem Entfernen von Spanplatten und Glaswolle konnte das Feuer von Atemschutzgeräteträgern ohne größeren Wasserschaden gelöscht werden.
Am 31.12.1978 mußte das Schulvordach von Schneemassen geräumt werden, da es einzubrechen drohte.
Auf der Jahreshauptversammlung am 26.1.1979 wurde Hans-Jürgen Brey von den Kameraden mit großer Mehrheit zum Wehrführer gewählt. Doch schon wenige Tage später teilte er und seinen Rücktritt und Austritt aus der Wehr mit. Somit wurde Ernst  Gätjens zwei Monate später zum Wehrführer gewählt.
Im April wurde die Wehr zum Zimmerbrand bei W. Ropers in der Eichenstraße gerufen. Kinder hatten mit Feuer gespielt.
Unsere ganze Schlagkraft war wieder am 22.04.1980 gefordert. Um 1.00 Uhr nachts wurde Sirenenalarm gegeben, denn es brannte das Anwesen des Landwirts Kurt Timm an der Dorfstraße (heute Boes). Beim schnellen  Eintreffen des TLF16 mußte festgestellt werden, daß es für das Hauptgebäude keine Rettung mehr gab. Der Brand konnte nur noch unter Kontrolle gehalten werden. Voller Entsetzen stellte die Besatzung des TSF am Eiserbrunnen fest, daß die Scheune des Landwirts Günter Werner an der Eiser ebenfalls lichterloh brannte. Zusammen mit der FF Rellingen konnten die Feuer unter Kontrolle gebracht werden, ein Übergreifen auf Nachbargebäude wurde verhindert. Es wurde Brandstiftung vermutet.
Am 31. Mai 1981 brannte des Wohn- und Wirtschaftsgebäude von Kamerad Ernst-Martin Sellhorn. Da das Gebäude ohnehin in absehbarer Zeit abgebrochen werden sollte, entstand kein Schaden an Mensch und Tier.
Ein Teil der Räumlichkeiten unseres Gerätehauses wurde auch als Bücherei, ja sogar zeitweilig als Kindergarten genutzt. Nachdem das Gemeindezentrum fertiggestellt worden war, konnten der Unterrichtsraum und weitere Räumlichkeiten wie Werkstatt und Teeküche ausgebaut werden. Mit dem Ausbau der Dorfstraße und der zentralen Wasserversorgung standen uns nun bald 81 Hydranten im Abstand von 100m im gesamten Dorf zur Verfügung.
Die Freiwillige Feuerwehr Tangstedt war 1982 erstmals an der Reíhe, denn “Lumpenball” auszurichten.
Das alte TLF16 Mercedes-Benz machte zunehmend Probleme, so dass man 1984 ein gebrauchtes TLF16 Magrius von der Stadt Pinneberg erwarb.
Auf der Jahreshauptversammlung 1985 löste Rolf Gätjens seinen Vater Ernst ,der aus Altersgründen nicht mehr kandidieren wollte, ab. Im selben Jahr fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung das 60-jährige Jubiläum unserer Wehr mit einer Festwoche statt.
Die “Blauröcke” veränderten sich, denn es wurden die ersten Kameraden mit orangefarbenen Sicherheitsjacken ausgestattet.
Bisher erfolgte die Alarmierung unsere Einsatzkräfte stets über die Sirene im Dorf oder bei kleineren Angelegenheiten per Telefon. Ab 1986 wurden nun die ersten 5 Funkmeldeempfänger ausgeteilt. Im zweimonatigen Wechsel erhielt somit die tagsüber ortsansässigen Kameraden zweimal im Jahr einen “Pieper”. Im September brannte ein Schuppen auf dem Hof von Herbert Lüdemann. Durch das schnelle Eingreifen der Wehr konnte ein Ausbreiten des Feuers verhindert werden.
Nach heftigen Regenfällen im Frühjahr 1987 verbrachten wir Stunden in den überfluteten Kellern im Jacob-Behrmann-Weg.
Das als “Hexenhäuschen” bekannte Haus im Hesterhörn 25 brannte am 21.01.1988. Die Kameraden hatten größte Mühe, die verwirrte Frau aus dem brennenden Haus zu retten, da Sie und ihre Katze es partout nicht verlassen wollten. Am 3.Oktober wurde unsere Wehr zu einem PKW-Brandt in der Mühlenstraße, kurz vor der Wulfsmühle, gerufen. Nach den kurzen Löscharbeiten stellte man entsetzt fest, dass ein Kamerad aus der Borstel-Hohenradener Feuerwehr in den Flammen ungekommen war.
Die räumliche Enge im Gerätehaus und der bauliche Zustand wurden seit einiger Zeit diskutiert. Verschiedenste An- und Umbaupläne waren seitens Feuerwehr und Gemeinde im Gespräch, als die Gemeindevertretung plötzlich einen Vorstoß mit dem Erwerb eines Grundstücks am Brummerackerweg machte. Ein eventueller Neubau wurde in Aussicht gestellt.

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