Ihre Geschichte,aufgezeichnet in vielen alten Protokollbüchern
Unter diesem Leitspruch fand auch am 6. September 1925 die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Tangstedt statt. Vorausgegangen war, wie überall in den 70er bis 90er Jahren, auch hier 1890 die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr, der auch ein Spielmannszug angegliedert war. Im Protokoll, 1951 vom damaligen Kameraden Hinrich Sellhorn aufgezeichnet heißt es u.a.: “Ihr erster Hauptmann, wie der Wehrführer damals genannt wurde, war Georg Kröger, Wulfsmühle, sein Stellvertreter war Johann Krohn. Letzterer soll sich um die Ausbildung der Wehr ganz besonders bemüht haben und stellte auch den I. Spielmannszug zusammen. Der 2. Hauptmann war August Meyer, Hesterhörn, und der letzte Hinrich Wegner, Büschen”

Im Jahre 1906 mußte dann wegen zu geringer Beteiligung eine Pflichtfeuerwehr eingeführt werden.
Am 6. September, 1925 fanden sich dann für den Freiwilligen Dienst an der Allgemeinheit wiederum 39 Kameraden zusammen und wurden danach durch den Kreisfeuerwehrhauptmann Claus Hinrichsen, Uetersen, vereidigt. Zwei Handdruckspritzen wurden als Ausrüstung von der damaligen Wehr übernommen. Als I. Hauptmann wurde Willhelm Kröger sen. gewählt, der noch bis 1935 diesen Posten bekleidete. Kamerad Kröger war vorher auch Führer der Pflichtfeuerwehr. Wegen seiner besonderen Verdienste wurde er damals am 21. September 1935 zum Ehrenhauptmann ernannt.
Die Damals (1925) erlassenen Statuten regelten das Verhalten und die Pflichten der Mitglieder der Wehr. Sie waren alle sehr streng gehalten und sahen ausser einem Ehrengericht auch bestimmte Strafen für zu spätes erscheinen zum Dienst oder Fehlen, bzw. vorzeitiges Entfernen vom Dienst vor. Vielleicht liegt hierin die Disziplin und Kameradschaft begründet, die bereits bei der Haupt- und Schlußübung im Jahre 1926 der sehr jungen Wehr aus berufenem Munde Lob und Anerkennung für ihren Einsatz und die Kameradschaft gezollt wurde. Der damalige Oberbrandmeister Stoldt und der stellvertretende Amtsvorsteher Schneider der aus Rellingen stellten der Wehr ein glänzendes Zeugnis aus.
Alsdann wurden weiterhin Übungen durchgeführt, damit bei eventuellen ernstfällen die Wehr jederzeit ihren Mann stehen konnte.
Am 27. Juli 1927 erhielt die Wehr ihr Feuertaufe. Es brannte das Gewese von Detlef Behncke in Hohenraden. Schnell fuhr man mit Pferd und Wagen zur Brandstelle, und unsere Wehr konnte stolz sein, zu der Rettung des Wohnhauses auch ihren Teil beigetragen zu haben.
Damit die Kameraden auch einen Extrarock bekommen konnten, stellte im Jahre 1927 der Jagdpächter Herr Alfred Voß, Hamburg, RM 1600,- für 5 Jahre zinslos zur Verfügung. Die Rückzahlung hatte in 5 gleichen Raten zu je RM 320,- zu erfolgen, was auch trotz manchmal schwieriger Kassenlage termingemäß abgewickelt wurde. Die Kosten für die Anschaffung von Mützen, nämlich RM 5,- hatte jeder Kamerad selbst zu tragen.
Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz. Denn bei Veranstaltungen, Stiftungsfesten usw. wurde mit Musikdarbietungen, kleine Theaterstücken, Kameradschaft gepflegt. Wiederholt erhielt die Tangstedter Wehr bei Besichtigungen durch den Kreis- bzw. Bezirksbrandmeister Lob für die Disziplin und schnelle Durchführung der Übungen.

Im Jahre 1928, im November, fuhr man das erste Mal mit dem Lastauto des Kameraden Warncke zur nachbarlichen Löschhilfe nach Egenbüttel. Der Einsatz war jedoch nur von kurzer Dauer, weil das Gebäude bereits lichterloh brannte. (Landm. H. Kruse).
Am 14. Dezember 1928 wurde die Wehr von dem Herrn Landesbranddirektor Henke aus Kiel besichtigt. In dem amtlichen Bericht heißt es anschließend: “Im Bezirk Tangstedt ist die Freiwillige Feuerwehr ausgezeichnet. Die Löschwasserversorgung ist ungenügend. Der Bau von 3 Bohrbrunnen ist erforderlich. Geräte und Ausrüstung sind in Ordnung.” Zusatz des Amtsvorstehers: “Auch ich spreche der Wehr und ihren tadellosen Führern meine größte Anerkennung aus.”
gez. Schneider, com. Amtsvorst.
Zu bemerken wäre noch, daß bei jeder Übung auch die sogenannten “Fußexerziten ” einen breiten Raum einnahmen. Ebenso sind immer wieder Ausmärsche zu verzeichnen. In einem Protokollheißt es: “Was sollen solche Wanderungen, haben sie Zweck und Wert für eine Freiwillige Feuerwehr?” Kamerad Hermann Krohn, Schriftführer der Wehr vom 6. Sept. 1925 bis 6. Mai 1951, der jede dieser Wanderungen mitgemacht hat, schrieb dazu: “Ja, wer sich noch einen Sonntagvormittag in frischer, freier Luft bewegt, wird nicht krank dabei werden. All die schönen alten Lieder werden wieder einmal aufgefrischt. Die Kameraden nehmen auf solchen Wanderungen Fühlung miteinander auf, lernen sich kennen und sprechen sich über manches aus, was sonst nicht der Fall sein würde, also Pflege des Kameradschaftsgeistes.”
In gewissen Zeitabständen mußte die Wehr immer wieder bei Ernstfällen, des öfteren wegen Blitzschlag, eingreifen.
Nach 1933, dem Zuge der damaligen Zeit folgend, wurde die Wehr der Feuerlöschpolizei unterstellt. Dadurch kamen neue Aufgaben hinzu, z.B. Luftschutz. In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 1933 erscholl plötzlich das Feuerhorn. Um 2.45 Uhr brannte das Gewese von Hermann Timm in Egenbüttel. Durch die vereinten Löscharbeiten der Freiwilligen Feuerwehren von Halstenbek, Rellingen und Tangstedt sowie der Zwangswehren von Egenbüttel und Ellerbek gelang es, das bedrohliche Feuer erfolgreich zu bekämpfen und das Wohnhaus zu erhalten. Zu bemerken ist, daß die Alarmierung der Wehren, auch Rellingen und Egenbüttel, durch die hiesige Nachtwache, Kamerad Hinrich Sellhorn und Kamerad Paul Dietzmann, erfolgte, die auf ihrem Rundgang den Ausbruch des Feuers zuerst bemerkten.
Vom I. September 1935 bis 30. November 1935 führte Franz Warncke als stellv. Brandmeister die Wehr. Nachfolger, vom I. Dezember 1935 bis 30.
November 1951 war Brandmeister Hinrich Struckmeyer. Dadurch seine Seelenruhe und ein großes Maß an Umsichtigkeit gelang es Struckmeyer, besonders die schweren Kriegsjahre zu überwinden. Denn mit dem Kriege traten auch besondere Aufgaben an die Freiwilligen Feuerwehren heran, wie Eingliederung der Notdienstverpflichteten und gerechte Wachverteilung.
Am 23. September 1935 brannte bei Franz Sellhorn in Tangstedt das Viehhaus und der Wagenschirm. Die Wehren von Tangstedt, Rellingen und später Ellerbek und Borstel standen vor einer schier unlösbaren Aufgabe, und erst nach stundenlangem unermüdlichen Einsatz konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht werden. Ein sehr heftiger Wind trieb das Feuer auf das alte Strohdachhaus zu, und wenn nicht während der Hauptgefahr der Wind eine etwas günstigere Richtung angenommen hätte, so wären wohl kaum die nächsten Häuser zu erhalten gewesen. Das Wohnhaus und die Scheune konnten gerettet werden. Das große Viehhaus war bis auf die Umfassungsmauern abgebrannt und über 60 Fuder Heu fielen den Flammen zum Opfer. Die Pferde und der Stier wurden noch im letzten Augenblick ins Freie geschafft.
Inzwischen war der September 1939 herangekommen und 7 Kameraden wurden sofort zur Wehrmacht einberufen, weitere folgten. Damit die Schlagkraft der Wehr einigermaßen erhalten blieb, führte man Notdiensterpflichtungen ein.
Am 21. Juli 1940 fielen die ersten acht Spregbomben auf Tangstedter Gebiet. Die Feuerwehr stellte Posten bei den Blindgängern auf, bis die Blindgänger durch ein Sprengkomando unschädlich gemacht waren.

Beim Alarm am I I. Februar 1942 um 23.15 Uhr brannte die Kate von Heinrich Krohn, eines der ältesten Häuser des Dorfes, wahrscheinlich infolge, Überheizens des schadhaften Ofens bei Tante Mine, vollständig ab. 12 Stück Hornvieh kamen in den Flammen um. Bei der eisigen Kälte gefror das Löschwasser in den Schläuchen. Bei diesem Ernstfall wurde zum letzten Male die Handdruckspritze eingesetzt.
Am I. Oktober 1942 erhielt Tangstedt die erste TSA 800 Magirus. Ihre Bewährungsprobe beim ersten Einsatz erhiel sie in der Nacht vom 24./25. Juli 1943. Durch Brandbomben brannte das Hartgedeckte Wohnhaus des Bauern Franz Sellhorn. Es konnte durch den Einsatz der Tangstedter Wehr und eines Zuges der Pinneberger Wehr gerettet werden. Unsere TSA 800 war ununterbrochen 7 Stunden im Einsatz und hatte sich glänzend bewährt. Im weiteren Verlauf des Krieges, besonders bei Großangriffen auf Hamburg, fielen auch um und in Tangstedt Brand-, Phosphor- und Sprengbomben.

Nach dem totalen Zusammenbruch heißt es im Protokoll vom 5. Juni 1945, daß der Dienst der Freiwilligen Feuerwehr unverzüglich wieder aufzunehmen ist. Allerdings war zu beachten, daß jeder Feuerwehrmann im Ernstfalle nur in Uniform und mit Kennkarte versehen nach der Sperrstunde die Straße betreten durfte.
Im Jahre 1947 hatten wir je ein Großfeuer bei Franz Warncke und einen Scheunenbrand bei Johann Sellhorn zu verzeichnen. Das Wohn- und Wirtschaftsgebäude von Johann Sellhorn fiel 1950 den Flammen zum Opfer.