Aus dem Protokollbuch der Feuerwehr stammt der wortwörtlich übernommene Brandbericht. Dieser Bericht wurde damals vom Schriftführer Hermann Krohn verfaßt. Hermann Krohn war Schulleiter in der Tangstedter Schule und später Ehrenbürger der Gemeinde Tangstedt. Nach ihm ist auch die Straße benannt worden.
Das Protokoll gibt Auskunft über den Großbrand vom 8./9. Februar 1947 bei Franz Warncke (heute Heinz Clasen) Dorfstraße und der Scheune von Jacob Behrmann (heute Harald Sellhorn), Dorfstraße. Jacob Behrmann war Bürgermeister der Gemeinde Tangstedt. nach ihm wurde der Jacob-Behrmann-Weg benannt.
In der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 1947 wurden die Einwohner unserer Gemeinde und die Kameraden der Freiw. Feuerwehr gegen 1.30 Uhr nachts durch den schaurigen Ton des Feuerhorns jäh aus dem schlaf geweckt. Es brannte das umfangreiche Gewese des Bauern und Viehhändlers Franz Warncke. Schnell eilten die aufgeschreckten Dorfbewohner und die Mitglieder der Wehr zur Brandstätte.
Eine eisige Költe – mindestens 15°c unter Null, ein scharfer Ostwind und ein rasendes Flammenelement schlug den Wehrleuten entgegen. Als die Wehr auf der Brandstätte eintraf, brannte es oben auf dem Boden, nach der Giebelseite zu. Der scharfe Ostwind schürte die Flammen zu einer rasenden Glut, deren Funkenfeuer schon durch die Decke auf die große Diele fielen.
Inzwischen retteten schon hilfsbereite Nachbarn zusammen mit dem Besitzer und Kameraden der Wehr das lebende und tote Inventar des Bauern. Der ganze Viehbestand wurde in Sicherheit gebracht. Beim Bergen des Inventars, der Mobilien und Hausgeräte, ging manches Stück zu Bruch, vieles ist auch wohl durch unberufene Hände verschwunden. Ein Zeichen der heutigen Zeit.
Das auf der Diele stehende Lastauto konnte nicht geborgen werden und wurde ein Raub der Flammen. Nach Eintreffen der Motorspritze und auslegen der Schläuche – Motor springt gleich an – aber Pumpwerk saugt nicht an – mußten wir leider feststellen, daß der Röhrenbrunnen infolge der strengen Kälte eingefroren ist, da er einen hohen Wasserstand hat (3,5m). Er mußte erst mir Hilfe von herangeholtem, kochenden Wasser und einer Handvoll Salz aufgetaut werden. Es kann auch sein, daß die Niederschraubventile der Motorspritze eingefroren waren. Dadurch gingen kostbare Minuten verloren.
Inzwischen raste das entfesselte Element weiter und nahm einen sehr bedenklichen Umfang an. Es wurden deshalb Wehren von Relllingen und Pinneberg zur Hilfe gerufen. Sie erschienen auch bald und schlossen beim Kameraden Reumann an. Aber immer noch war kein Wasser da. Der eisige Ostwind entfachte die Flammen zu einer höllischen Glut, der schier kein Einhalt geboten werden konnte. Es stand dann auch bald die Scheune vom Bürgermeiser Jacob Behrmann in Flammen. Mit vereinten Kräften gelang es, die Wagen und Maschinen aus dem Gebäude zu retten. Nun wollten sich die Flammen begierig an dem Viehhaus von Jacob Behrmann noch einen neuen Brandherd und ein weiteres Objekt suchen. Das wäre auch wohl geglückt, wenn der Besitzer nicht gerade die letzten Fuder Stroh am Tage aus der Scheune heraugefahren hätte.
Unter ungeheuren Schwierigkeiten, gegen Flammen und Eis kämpfend, kam endlich Wasser, und so gelang es, das Feuer gegen das Viehhaus von Behrmann abzuschirmen. Sonst wäre es wohl zu einer ungeheuren Brandkatastrophe gekommen, denn die mit Stroh gedeckten umfangreichen Gewese von Behrmann und Gloy wären wohl kaum zu retten gewesen. Es war keine leichte Arbeit. Viele Wehrmänner glichen eher einem Eis- oder Schneemann als einem Feuerwehrmann, so hatten sich die Wassertropfen an ihrer Kleidung festgefroren. Nachdem die größte Gefahr beseitigt war, ging es nun an die eigentliche Brandbekämpfung. Hart und schwer hatten die Wehrmänner mit den entfachten Naturgewalten zu kämpfen. Aber es wurde geschafft.
Gegen Morgen konnten die Löschzüge von Rellingen und Pinneberg die Brandstätte verlassen. Auch die Wehr von Borstel war auch erschienen, kam aber nicht zum Einsatz. Das Ablöschen der Trümmerstätten nahm dann die hiesige Wehr vor und glaubte, gegen 9 Uhr damit fertig zu sein und brachte die Geräte wieder nach dem Gerätehaus.
Inzwischen konnte der Viehbestand von Jacob Behrman wieder in den Stall zurückgebracht werden. Der Rindviehbestand des Bauern Franz Warncke wurde bei den landw. Besitzern in der Gemeinde untergebracht. Am späten Nachmittag erfolgte noch einmal Alarmierung der Wehr, da sich einige glimmende Brandherde zu neuer Glut entfacht hatten.
Nach zweistündiger Arbeit war auch diese Gefahr beseitigt. “Schmerzlich und bedauerlich sind die Schäden, die durch dieses Brandunglück entstanden sind, zumal in dieser schweren Notzeit unseres Vaterlandes. Es wäre nur zu hoffen gewesen und zu wünschen, das bald wieder aufgebaut wird, was diesem entfesselten Element zum Opfer gefallen ist.”
